"Für mich ist ein Startup ein Experiment"

08.10.2018

„Für mich ist ein Startup ein Experiment“

Professor Amin Shokrollahi, Speaker beim Startup & Innovation Day am 22.Oktober, verrät uns im Interview wie er es als erfolgreicher Gründer mit Entscheidungen hält

Was halten Sie von der Kritik, dass viele der Startups, die aktuell entstehen zu häufig nur Eintagsfliegen sind? – ist die Idee der Innovations- und Startup-Förderung in Unternehmen oder an Universitäten dennoch nachhaltig?

Für mich ist ein Startup ein Experiment: Funktioniert die Idee technisch wie auch geschäftlich? Ist der Markt offen für das Produkt? Kann man ein Team zusammensetzen, das die Idee auch in Produkte umsetzt? Werde ich dafür genug Geld haben? usw. Das liegt am Wesen eines Startups und man kann nicht viel daran ändern. Gleichzeitig kann ein Startup an mindestens einem dieser Gründe scheitern. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist relativ hoch. Daher braucht man auch sehr viele Experimente (sprich, Startups), um wirklich gute Firmen zu bekommen. Es gibt genügend viele Beispiele von erfolgreichen Unternehmen, deren Gründer zu irgendeinem Zeitpunkt für Startups gearbeitet haben, die kläglich gescheitert sind. Daher halte ich von der Kritik, dass Startups nur Eintagsfliegen sind, nicht sehr viel. Man braucht sie, um ein gesundes Ökosystem zu kreieren und aufrecht zu erhalten.

Wie lange hat es gedauert bis Sie wussten, dass sie mit Ihrer Idee an den Markt gehen wollen? Hatten Sie Zweifel? Gab es einen entscheidenden Moment?

Als ich die ursprüngliche technische Idee für Kandou hatte, war meine erste Reaktion, diese als Patent zu vermarkten. Ich wusste, zu was die Technologie fähig wäre und wie sie den Markt beeinflussen könnte, daher hatte ich keine Zweifel an der Vermarktung der Technologie. Ich hatte aber gerade meine Arbeit in einem anderen Startup (Digital Fountain) abgeschlossen, da sie von Qualcomm aufgekauft worden war, und ich hatte nicht wirklich Kraft für eine weitere solche Reise. Ich habe nach der Einreichung des ersten Patentantrags meinen Freund Steve Papa aufgesucht, den ich für einen der besten Produktmanager der Welt halte. Er hat die Problematik sofort verstanden und mir geraten, eine Firma zu gründen, weil ich sonst nicht den vollen Wert der Erfindung ausschöpfen könnte. Kurze Zeit danach hat er seine Firma, die er 11 Jahr zuvor gegründet hatte, für 1.1 Milliarden Dollar an Oracle verkauft und dann auch gleich 10 Millionen Dollar in Kandou investiert. Der Rest ist Geschichte.

Worauf haben Sie als Gründer bei Entscheidungen mehr gehört? – auf Ihr Bauchgefühl oder auf die Ratschläge erfahrender Berater?

Interessante Frage. Da ich mich im Bereich Elektronik überhaupt nicht auskannte, als ich die Firma gründete, habe ich mich immer von anderen Leuten technisch beraten lassen. Da ich den Markt auch nicht kannte, verließ ich mich bei geschäftlichen Fragen auch auf den Rat von Experten, denen ich vertraue. Die letzte Entscheidung habe ich dann basierend auf diesen Meinungen getroffen. Dabei habe ich mich in einigen Fällen, wo die Meinungen in der Firma auseinander gingen, auf mein eigenes Gefühl und meine Analyse verlassen. Diese Art der Führung habe ich über die Jahre beibehalten. Entscheidungen dauern ein wenig länger, sind aber dann auch viel robuster. Gleichzeitig finde ich es aber auch sehr wichtig, ab und zu ein Machtwort zu sprechen, damit keine Endlosdiskussionen entstehen. Die Idee, dass man keine Fehler machen darf, sollte man sofort unterdrücken. Entscheidungsfehler sind gang und gäbe und nur so lernt man, voranzukommen.

HIGHEST / mm

zur Liste