"Wir müssen uns eher von der Erwartungshaltung verabschieden, dass alles, was wir probieren, auch zwangsläufig zu einem Erfolg wird."

17.10.2018

„Wir müssen uns eher von der Erwartungshaltung verabschieden, dass alles, was wir probieren, auch zwangsläufig zu einem Erfolg wird.“

Dr. Jan Schaffner, Speaker beim Startup & Innovation Day am 22. Oktober im Interview

Was halten Sie von der Kritik, dass viele der Startups, die aktuell entstehen zu häufig nur Eintagsfliegen sind? – ist die Idee der Innovations- und Startup-Förderung in Unternehmen oder an Universitäten dennoch nachhaltig?

In der Tat ist es ja weniger eine Kritik, sondern vielmehr eine Tatsache, dass es weniger Startups gibt, die dauerhaft erfolgreich sind als solche, die sich nicht am Markt etablieren. Ich denke, das liegt in der Natur von Innovation. Eine innovative Technologie oder ein innovatives Produkt kann ganze Industrien oder Märkte verändern. Aber: Dieser potenziell große Erfolg ist auch an ein hohes Risiko und eine relativ kleine Erfolgsrate gekoppelt. Im SAP Innovation Center Network rechnen wir damit, dass nur zehn Prozent aller angestoßenen Projekte schlussendlich erfolgreich werden. Wenn wir das schaffen, sind wir gut unterwegs. Wir müssen uns eher von der Erwartungshaltung verabschieden, dass alles, was wir probieren, auch zwangsläufig zu einem Erfolg wird.

Was die Förderung anbelangt sind wir sowohl in Unternehmen als auch im universitären Umfeld immer besser aufgestellt. Innovationsmanagement hat sich als eigene Disziplin etabliert und bietet hervorragende Rahmen und Tools für verschiedene Arten von Innovation – sei sie nun inkrementell oder transformativ. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, setzen wir bei SAP auf verschiedene Vehikel wie etwa externe Acceleratoren, interne Intrapreneurship-Programme oder aber eben dedizierte Entwicklungseinheiten wie das SAP Innovation Center Network.

Was sind Ihrer Meinung nach entscheidende Faktoren für ein kreatives und innovatives Umfeld? – was macht das SAP ICN anders als andere Großkonzerne?

Ein kreatives und innovatives Umfeld zeichnet sich weniger durch solche Dinge wie flexible Trennwände in Großraumbüros oder Kicker-Tische aus, sondern vielmehr durch das Mindset, das in einer Organisation gelebt wird. Das ist aus meiner Sicht gekennzeichnet durch Freiheit und Mut. Wir räumen unseren Teams im ICN die Freiheit ein, selbständig Ideen für neue Projekte beizutragen und diese auch über Team-, Standort- oder Ländergrenzen hinweg voranzutreiben. Wir geben Ihnen dazu natürlich einen inhaltlichen Rahmen vor und haben auch Deliverables nach bestimmten Zeitabschnitten definiert. Feste Fokus-Bereiche dienen als strategische Leitplanken und geben den Teams Orientierung. Welchem konkreten Projekt sie sich aber widmen wollen und wie sie es bearbeiten, bleibt den Teams überlassen. Das erfordert natürlich auch den Mut, sich unkonventioneller Themen anzunehmen und diese zu verfolgen, aber auch die Courage sich selbst einzugestehen, dass ein Projekt nicht den gewünschten Verlauf genommen hat und das Thema zu stoppen.

Dabei hilft es uns natürlich, dass wir mit circa 300 Kollegen an acht Standorten weltweit nicht nur vergleichsweise starke Entwicklungskapazitäten haben, sondern auch Spezialisten, die sich mit Business Development, Design oder Marketing befassen. Ich bin der festen Ansicht, dass es nicht genügt, nur „Facilitator“ zu sein und methodisch zu unterstützen, um als Innovation Center nachhaltig Erfolg zu haben. Unser großes Plus ist, dass wir neue Projekte im Idealfall von der Idee bis zur Produktisierung eigenständig vorantreiben können.

Sie waren selbst mal Gründer von „Schaffner Internet Services“? Was würden Sie sagen, was ihre drei wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit für Sie persönlich sind?

Da haben Sie hervorragend recherchiert. Diese Firmengründung war allerdings mehr der rechtlich notwendige Rahmen, um als Freelancer unter anderem Unternehmen bei der Implementierung von CMS-Systemen zu unterstützen. Ich war damals 17 Jahre alt und noch Schüler. Ich kann mich noch gut erinnern, was es für einen Aufwand bedeutete, diese Firma anzumelden und auf welche verwunderten Reaktionen ich dabei gestoßen bin. Heutzutage sind 17-Jährige, die ein Unternehmen gründen keine Rarität mehr. Auch bezugnehmend auf ihre erste Frage kann man hier also wunderbar sehen, dass die Nachhaltigkeit der Innovations- und Startup-Förderung auch darin besteht, dass Innovation und Unternehmertum mittlerweile einen anderen Stellenwert haben. Daher sollten sich Wirtschaft, Forschung und Politik auch weiterhin gemeinsam um immer bessere Rahmenbedingungen für Innovatoren bemühen.

HIGHEST / mm

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