Gegen die Parkplatznot

20.05.2020

Gegen die Parkplatznot

Ein Start-up aus Darmstadt bietet buchbare Plätze an. Damit will „Green Mobility Solutions“ unter anderem gegen unbefugtes Parken vorgehen.

Das Prozedere sei so einfach „wie eine Zugfahrkarte zu buchen“, sagt Uhlig. Einmal registriert, können auf der Website das gewünschte Datum, Parkdauer und Standort ausgewählt und reserviert werden. Anschließend zahlt der Kunde via Paypal. Nach erfolgter Buchung erhält er zur ausgewählten Parkzeit automatisch einen Link per E-Mail, mit dem sich der Parkbügel umlegen und so der Parkplatz entsperren lässt.

Parkplatzmangel in Städten ist keine Ausnahme. Die Konsequenzen: Stauungen, gestresste Autofahrer und nicht zuletzt überflüssige Abgase. So sah auch die Verkehrslage in der Darmstädter Innenstadt aus, als Edgar Dingeldein, Leiter des Baudezernats an der Technischen Universität Darmstadt, 2014 das Smart-Parking-Projekt in Zusammenarbeit mit Studenten und Professoren ins Leben rief. Es galt, eine Lösung zu entwickeln, um der Parkplatznot entgegenzuwirken. Daraus resultierte ein digital steuerbarer Parkbügel und 2018 die Gründung des Unternehmens Green Mobility Solutions. Mathias Hornjak, damals Student, schloss sich mit Michael Schaab und Thorsten Uhlig zusammen, seitdem bietet das Trio die Smart-Parking-Lösung auf der Plattform Book-n-Park an. Für die Entwicklung wurde das Start-up ein Jahr lang mit dem Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und des Europäischen Sozialfonds gefördert.


In vier Städten schon genutzt

Die maximale Parkdauer und den Preis legen die jeweiligen Parkplatzeigentümer fest. Dabei kann jeder Parkplätze anbieten, ob Privatpersonen, Unternehmen oder Kommunen. „Der Parkplatzeigentümer muss nichts machen, außer den Parkplatz bereitzustellen“, sagt Uhlig. Beispielsweise stellen Unternehmen Parkplätze für Mitarbeiter unter der Woche kostenlos zur Verfügung und bieten sie Besuchern der Stadt am Wochenende kostenpflichtig an. Das bedeutet, dass auch geschlossene Nutzergruppen möglich sind und die Mitarbeiter oder Besucher spezielle Nutzungscodes für die Buchung der Firmenparkplätze erhalten. Kein unbefugtes Parken mehr, kein Warten auf den Abschleppwagen. Auch Hotels nutzen die Parkbügel, um Plätze für Gäste freizuhalten, und in Parkhäusern können Besucher für eine zusätzliche Gebühr Plätze im Voraus reservieren. Auch Privatpersonen können ihre Plätze weitervermieten, beispielsweise wenn sie mit dem Auto auf der Arbeit sind.

In vier Städten werden die digital gesteuerten Parkbügel schon genutzt: An mehreren Orten in Darmstadt, in einem Nürnberger Parkhaus, in Bad Hersfeld und in Kaiserslautern. Und das Start-up plant weiter zu wachsen. „Wir haben die Referenzen bekommen, dass es funktioniert. Und das Produkt ist skalierbar“, sagt Uhlig. „Geplant ist europaweit, aber wir fangen erst mal in Deutschland an.“ Außerdem soll sich das Team 2020 von fünf auf acht Mitarbeiter vergrößern und erstmalig Gewinn erzielt werden. Nicht nur räumlich möchte das junge Unternehmen expandieren. Denn auch das Geschäftsfeld lasse sich erweitern, sagt Uhlig. Beispielsweise mit elektronisch absperrbaren Fahrradboxen für E-Bikes oder Schranken an Parkhäusern. „Wir können alles steuern, was elektronisch steuerbar ist.“


Bericht aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001–2020, 13.05.2020 10:19 Uhr.

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